ABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZ
Diagnose Therapie Informationen aus der Industrie

Plastische Chirurgie

Verbrennung/Erfrierung: Diagnose

Verbrennung (Combustio)

Definition

Verbrennungen und Verbrühungen sind thermische Schädigungen der Haut, der Hautanhangsgebilde und eventuell auch tiefer liegender Gewebe; eine Verbrennung (Combustio) ist eine Schädigung durch Feuer oder Kontakt mit heißen Gegenständen, eine Verbrühung (Ambustio) durch heiße Flüssigkeiten oder Dampf.

 

Das Ausmaß der Schädigung ist vorrangig abhängig von:

 

  • Temperatur
  • Einwirkungsdauer

 

 

Entscheidend für die Schwere der Verbrennung/Verbrühung sind vor allem zwei Faktoren:

 

  • Verbrennungsgrad
  • Verbrannte Fläche

 

Einteilung der Verbrennungen 
Grad
Gewebsschädigung
Symptome
Verbrennung Grad 1 Schädigung der Epidermis Rötung, Schwellung, Schmerz; narbenlose Abheilung
Verbrennung Grad 2a Schädigung der Epidermis und oberflächlicher Teile der Dermis Blasenbildung, Schmerz, Rötung wegdrückbar
Verbrennung Grad 2b Schädigung der Epidermis und tiefer Anteile der Dermis Blasenbildung, Schmerz, Rötung nicht wegdrückbar; OP indiziert
Verbrennung Grad 3 Nekrose der Epidermis und der gesamten Dermis mit Zerstörung der dort befindlichen Nervenendigungen; evtl. auch tiefer gelegener Strukturen Grau-Schwarz-Weiß, lederartige Hautgebiete, keine Schmerzen, Verlust der Haare und Nägel; OP indiziert
 
Berechnung der Verbrennungsfläche:

Die Ausdehnung einer Verbrennung wird beim Erwachsenen mit der so genannten Neuner-Regel, nach der den einzelnen Körperregionen entsprechende prozentuelle Anteile zugeordnet werden, bestimmt.

 

Bei Kindern verliert die Neuner-Regel ihre Gültigkeit, da sich das Verhältnis von Kopf und Extremitäten zum Körperrumpf gegenüber dem Erwachsenen völlig anders verhält.

In Anbetracht dieser Situation empfiehlt es sich generell bei Kindern oder fleckförmigen Verletzungen das Ausmaß der Schädigung nach der folgenden Faustregel festzulegen:

MERKE: Die Handfläche des Patienten entspricht 1 % seiner Körperoberfläche!
 

grafik.JPG

Großflächige schwere Brandwunden sind eine der schlimmsten Verletzungen, die ein Mensch erleiden kann.

 

Das "Thermische Trauma" führt in Abhängigkeit von seiner Tiefe und Ausdehnung nicht nur zu einer örtlichen Gewebeschädigungm sondern löst eine Vielzahl an Vorgängen aus, die in einen Verbrennungsschock einmünden, dessen "Spätkomplikationen" die Verbrennungskrankheit ist.

 

Bei einer Verbrennungstiefe ab zweiten Grad und einer Verbrennungsfläche von mehr als 20 % beim Erwachsenen, 10 % bei Kindern oder 5 % bei Säuglingen muss mit der Entstehung eines Verbrennungsschocks und somit mit einer lebensbedrohlichen Störung für den Patienten gerechnet werden.

 

Hautsymptome der Verbrennungskrankheit ist das Auftreten eines, auf etwa 24 Stunden nach dem Trauma beschränkten, generalisierten "capillary leak syndromes". Konsekutiv kommt es zum Aufreten von einem generalisierten interstitiellen Ödem, welches durch das Ausströmen von intravasalem Volumen in das Gewebe verursacht wird. Direkte Folge ist das Auftreten eines "Missverhältnisses von intravasalen Flüssigkeitsvolumen und intravasalem Flüssigkeitsbedarf" = Schock. Dieser Schockzustand führt zu einer peripheren Vasokonstriktion mit einer weiteren Verschlechterung der Hautdurchblutung. Als Folge der Verschlechterung der peripheren Durchblutung kommt es zum sogenannten "Nachbrennen", d.h. dem Tieferwerden der Verbrennungswunde.

Weiters kommt es infolge der Verbrennungskrankheit zu komplexen Regulations- und Funktionsstörungen, die alle Organe und Organsysteme betreffen können.

 

Bei weit mehr als der Hälfte aller Todesfälle infolge von Verbrennungen sind Infektionen die Ursache. Nach Ablauf einer Woche kann man davon ausgehen, dass jede Brandwunde mehr oder weniger keimbesiedelt ist. Mikroorganismen finden auf der Brandwunde ideale Bedingungen vor. Die natürliche Barriere ist zerstört, die allgemeine Abwehrlage deutlich herabgesetzt und die Durchblutung minimiert. Durch das Verbrennungstrauma wird auch der Grundumsatz des Patienten tiefgreifend verändert. Infolge des Flüssigkeits- und Nährstoffverlustes sowie durch die reparativen Vorgänge ist der Grundumsatz extrem erhöht, was innerhalb kurzer Zeit zur Erschöpfung der eigenen Körperreserven führt. Die Erhöhung der Stoffwechselrate ist nach einer schweren Verbrennung höher anzusetzen als nach jeder anderen Verletzung.

 

Wichtigste therapeutische Maßnahmen sind:


  • Vermeidung des Verbrennungsschocks durch geeignete Flüssigkeitssubstitution
  • Möglichst frühzeitige OP: Nekrosektomie und Deckung
  • Optimierung der Ernährung des Patienten, insbesondere durch frühzeitige enterale Ernährung
  • Prävention septischer Komplikationen
  • Konsequente physikalische Therapie und Nachbehandlung

 

 

 

 

 

 

 

Erfrierung (Congelatio)

Definition

Schwerste (lokale) Kälteschädigung durch länger dauernde Kälteeinwirkung (von gewöhnlich < 0° C, jedoch auch bei Temperaturen > 0° C möglich), besonders an den Akren (Nase, Ohren, Finger, Zehen); die Entstehung von Erfrierungsschäden wird gefördert durch Disposition (abnorme Reaktionsbereitschaft des Gefäßnervensystems), Nikotinabusus, Einwirkung von Feuchtigkeit (Nasserfrierung) und Wind sowie nasse, eng anliegende Kleidung.

 

Einteilung der Erfrierungen
Grad
Bezeichnung
Symptome
Erfrierung Grad 1 Congelatio erythematosa Blässe, Abkühlung, Gefühllosigkeit, nach Wiedererwärmung Hyperämie, leichte Schmerzen, Juckreiz
Erfrierung Grad 2 Congelatio bullosa sofort oder nach einigen Stunden entstehende Blasen, die ohne Narbenbildung abheilen können
Erfrierung Grad 3 Congelatio escharotica trockene Nekrosen (Mumifikation) oder blaurote Blutblasen, nach deren Platzen nasse Nekrosen verschiedener Tiefe sichtbar werden; Abheilung unter Narbenbildung

 

 

Komplikationen
Prognose
  • Während bei der Verbrennung die Ausdehnung leicht unterschätzt wird, wird die Ausdehnung des Erfrierungsschadens meist überschätzt
  • Bei langem Abwarten gute Erholungstendenz!

 

Noch keine Bewertungen vorhanden
Letztes Update:13 März, 2009 - 08:54